Obergefreiter Josef Allerberger
Scharfschütze des Gebirgsjäger-Regiments 144 (3. Gebirgs-Division) 1943-1945
* 24. Dezember 1924 in ?
† 2. März 2010 in Wals-Siezenheim
Herkunft und JugendJosef Allerberger, genannt "Sepp", wurde am 24. Dezember 1924 (manche Quellen sprechen auch von September) in einem Dorf in der Steiermark geboren. Dort verbrachte er eine unbeschwerte Jugend und trat wie selbstverständlich in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters und erlernte das Tischlerhandwerk, um den elterlichen Betrieb eines Tages zu übernehmen.
Sein ländliches Umfeld war stark von konservativen Werten wie Vaterlandsliebe, Fleiß, Pflichterfüllung und Gehorsam gegenüber gesellschaftlichen Autoritäten geprägt. Die Politik des Dritten Reiches tat ihr übriges, sodass es für junge Männer eine große Ehre, mancherorts eine selbstverständliche Verpflichtung war, sich freiwillig zur Wehrmacht zu melden. Der Tag der tauglichen Musterung der betreffenden jungen Männer im Dorf war ein Ehrentag und wurde entsprechend gefeiert. Im Herbst 1942 war auch Josef Allerberger einer von zwölf Freiwilligen des Dorfes - von denen nur sechs den Krieg überleben sollten.
Ausbildung, Einsatz an der Ostfront als MG-SchützeIm Februar 1943, im Alter von 18 Jahren, wurde Josef Allerberger in die Wehrmacht eingezogen. Im bayrischen Mittenwald absolvierte er eine sechsmonatige Grundausbildung und wurde danach zu den Gebirgsjägern nach Kufstein überstellt. Hier wurde er bei dem Gebirgsjäger-Regiment 114 der 3. Gebirgs-Division (Generalleutnant Hans Kreysing) eingesetzt, genau gesagt, bei der 8. Kompanie des 2. Bataillons unter dem Kommando von Oberst Friedrich Friedmann.
Am 18. Juli 1943 kam Allerberger zum ersten Mal an die Front. Er wurde im Südabschnitt der Ostfront bei Woroschilowsk als MG-Ladeschütze (MG 2) eines schweren Maschinengewehres eingesetzt. Hierbei merkte er auch zum ersten Mal die verheerende Wirkung der feindlichen Scharfschützen. In der Wehrmacht gab es zur damaligen Zeit kein gefördertes Scharfschützenprogramm. Er stellte hierbei im Gefecht in der Schlucht von Redkin fest, dass der Maschinengewehrschütze immer der erste Gefallene im Gefecht ist. Er war sehr besorgt, weil sein MG-Schütze (MG 1) beim ersten Gefecht einer der ersten Gefallenen war.
Wenige Tage nach seinem ersten Einsatz, am 22. Juli 1943, wurde Allerberger bei Stavropol durch einen Granatsplitter an der linken Hand verwundet. Nach diesem Vorfall änderte sich seine militärische Laufbahn in der Wehrmacht.
Verwundung und Rückkehr als ScharfschützeTrotz der nur kleinen Verwundung an der Hand, musste Allerberger sich 14 Tage lang schonen und wurde von der Hauptkampflinie abgezogen. Allerberger wurde, da er gelernter Tischler war, beim Regiments-Waffenmeister als Hilfskraft eingesetzt. Hier sollte er Reparaturen an deutschen Waffen durchführen und Beutewaffen sortieren.
Bei diesen Arbeiten fand er eine russische Mosin Nagant 91/30 mit 4-fachem Zielfernrohr. Diese Waffe wollte er gleich mal ausprobieren und ging mit dem Regiments-Waffenmeister auf einen Schießplatz. Dabei stellte sich Allerberger als Naturtalent heraus, denn er traf auf 100 m eine Streichholzschachtel ohne Probleme oder auf 300 m eine 30x30 cm Munitionsschachtel.
Mosin Nagant 91/30Nach seiner Genesung wurde Allerberger wieder der kämpfenden Truppe unterstellt. Mit Erlaubnis des Regiments-Waffenmeisters durfte er auch das russische Scharfschützengewehr mitnehmen. Auch informierte der Waffenmeister den Kompanie-Chef von Allerberger über seine hervorragenden Fähigkeiten mit der Waffe und dieser hatte nichts dagegen, dass Allerberger sein Glück damit an der Front versuchen sollte.
Er selber wollte lieber Scharfschütze werden, denn dieser überlebte deutlich länger als ein MG-Schütze, außerdem gab es zu dieser Zeit in seinem Regiment keine weiteren Präzisions- oder Scharfschützen. Sein Kommandeur sah es gern, dass sie nun auch einen effektiven Soldaten hatten, der gezielt gegen den Feind wirken konnte.
Brückenkopf von NikopolBei der Schlacht um den Brückenkopf von Nikopol kam es dann zu der Feuertaufe des „Sepp“. Diese begann gleich mit einem Gefecht zwischen ihm und einem russischen Scharfschützen. Nach einem vorherigen Beschuss durch den russischen Scharfschützen mussten sich die deutschen Truppen in Deckung begeben. Allerberger war extrem nervös und suchte mit dem ZF so gut es ging den feindlichen Frontabschnitt ab. Als er den russischen Scharfschützen entdeckte, merkte er, dass auch dieser die Umgebung kontrollierte. Kurz vor Allerberger traf ein Projektil den Boden und eine kleine Fontäne sprühte auf, Allerberger zögerte nicht lange, krümmte den Finger augenblicklich und traf den feindlichen Scharfschützen tödlich. Daraufhin kamen die Truppen aus der Deckung heraus und begannen mit dem Angriff auf die russischen Kräfte, die sich dann zurückziehen mussten.
Allerberger musste sich, nach dem Schuss, erstmal selber kontrollieren, schaute an sich herunter und übergab sich dann. Die Kameraden neben ihn sagten, er solle sich doch keine Gedanken machen, das wäre normal in dieser Situation. Nachdem die Truppen vorrücken konnten, inspizierte Allerberger den feindlichen Schützen. Es war ein 16-jähriger Junge, den er direkt auf 100 m über das offene Visier ins rechte Auge getroffen hatte. Im Laufe des Tages fielen ihm noch zwei weitere russische Soldaten zum Opfer. Diese Abschüsse ritzte er in sein Gewehr ein und hier begann die Karriere des Scharfschützen Allerberger.
Rückzug nach RumänienDer Rückzug der deutschen Truppen konnte von ihm alleine jedoch nicht verhindert werden und so rückten die russischen Truppen immer weiter nach Westen vor. Allerberger musste sich mit seinen Kameraden bis nach Rumänien, die zu dem Zeitpunkt noch mit den Deutschen kämpften, zurückziehen.
Hierbei musste er sich seine eigene Ausrüstung und Taktiken überlegen und eigene Verfahren entwickeln, da er noch keine Ausbildung an der Scharfschützenschule erhalten hatte. Dabei wandte er auch sehr oft einen um seine Bespannung beraubten Regenschirm an, bei dem die Bespannung durch Blätter, Äste und Gestrüpp ersetzt wurde. Diese schnelle und einfache Art wandte Allerberger sehr oft im Verlauf des Krieges an. Auch wandte er einen Trick aus dem ersten Weltkrieg an, die „falschen Köpfe“. Sehr erfolgreich war er mit dieser Taktik, als eine feindliche Kompanie Scharfschützen in einem Versteck unter Zweigen lag. Diese schaltete er dann mithilfe seiner Kameraden und den „falschen Köpfen“ aus. Diese Taktik war so gut, dass er 18 feindliche Schützen ausschalten konnte ohne seine eigene Position preis zu geben.
Er lies sich durch den Regimentsschneider einen eigenen Tarnanzug schneidern, welcher wasserdicht und leicht war, den Blick nicht störte und viele Falten warf.
Insgesamt konnte er von der Erbeutung der Mosin Nagant bis zum Beginn seiner Ausbildung in der Seetaleralpe 27 Abschüsse für sich beanspruchen. Der weiteste, bestätigte Abschuss lag bei 600 Metern. Die generelle Kampfentfernung betrug oftmals allerdings weniger als 200 m.
Scharfschützen-Lehrgang in SeetaleralpeEnde Mai 1944 wurde Allerberger auf die Scharfschützenschule auf der Seetaleralpe geschickt. Die Seetaleralpe befindet sich in der Nähe von Judenburg in Österreich. Er absolvierte hier ein vierwöchiges Training und wurde zum zweitbesten Scharfschützen des Kurses gekürt. Ausgiebig testete er hier den Karabiner 98k mit einem 4-fachem Zielfernrohr und er konnte auch das, für ihn neue Gewehr G43, ebenfalls mit einem 4-fachem Zielfernrohr, testen.
Bevor er die Schule verließ, übergab er sein altes Mosin Nagant Gewehr einem Freund, denn er durfte die Waffe aus Sicherheitsgründen nicht mehr mit an die Front nehmen. Zurück an der Front erfuhr er, dass sein Freund an einem anderen Frontabschnitt der Ostfront gefangen und massakriert wurde, da er ein russisches Scharfschützengewehr hatte auf dem Einkerbungen von Abschüssen zu sehen waren. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er so auf keinen Fall mehr seine Abschüsse zeigen oder markieren sollte.
Karabiner Kar98k mit ZFBündnisbruch Rumäniens und Kämpfe in UngarnNachdem Allerberger nun wieder in seinem Regiment Dienst tat, bekam er den, wie er meinte, „rumänischen Verrat“ mit. Rumänien kapitulierte hier gegenüber den Alliierten und schloss sich dem Bündnis an. Von diesem Zeitpunkt an kämpfte Rumänien nun auf alliierter Seite. Das Gebiet von Rumänien ging nun ebenfalls an die Alliierten und somit brach bei den Truppen der Wehrmacht Chaos aus.
Er selber entwickelte bei den Kämpfen und Vorstößen der russischen Truppen seine eigene Taktik. Nachdem sich die Truppen auf 3-4 Wellen ausdehnten, nahm er die hintersten Reihen unter Beschuss. Zielte vorranging auf den Bauch, sodass die feindlichen Soldaten zusammensackten und laute Schmerzensschreie ausstießen, was die anderen Soldaten moralisch runterziehen sollte. Auch wurden die ersten Reihen panisch, wenn sie merkten, dass die hintersten Reihen sie nicht mehr unterstützen konnten oder wollten. Nachdem die Reihen das realisierten, begann er mit gezielt tödlichen Schüssen auf die ersten Reihen. Dabei konnte er in wenigen Minuten rund 20 Treffer erzielen, jedoch wurden diese oftmals nicht gewertet, da sich niemand die Zeit dazu nahm oder andere Dinge im Kopf hatte.
Bei den Kämpfen in Ungarn und später auch in Polen, bekam Allerberger unzählige Kriegsschrecken mit. Die SS lief in vielen Dörfern Amok und ermordete die Zivilbevölkerung, die russischen Soldaten vergewaltigen die Bevölkerung und er bekam wohl auch Kannibalismus mit.
Rückzug durch die TschechoslowakeiBei den Rückzugskämpfen Richtung der Tschechoslowakei, kurz vor der Grenze bei Bielitz, bekam Allerberger das Ritterkreuz verliehen. Nach weiteren Gefechten und Rückzügen befand sich Allerberger mit einigen Kameraden in der Nähe von Olmütz, als offiziell das Ende des Krieges und die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht bekannt wurde.
Jedoch wollten Allerberger und seine Kameraden sich nicht in russische Kriegsgefangenschaft begeben, denn sie hatten Angst vor den Qualen und den Arbeitslagern. Sie versuchten sich nach Österreich durchzuschlagen, was Ihnen auch gelang. Dort gingen sie in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Am 5. Juni 1945, knapp einen Monat nach Kriegsende wurden die Soldaten den Russen übergeben, sie durften aber nach Hause gehen und mussten nicht in russische Gefangenschaft.
Kriegsende und Leben nach dem KriegNachdem er wieder nach Hause durfte, arbeitete Allerberger, wie sein Vater auch, wieder als Schreiner und Tischler.
Am 2. März 2010 starb Josef „Sepp“ Allerberger in Wals-Siezenheim.
Es gibt verschiedene Angaben zu den Abschusszahlen von Josef „Sepp“ Allerberger. Offiziell bestätigt sind es wohl 105, aber da bei russischen Angriffen viele Abschüsse nicht gezählt wurden, kann man nicht genau sagen, wieviele es denn nun waren. Allerberger selber nennt eine Zahl von 256, was stimmen mag, aber nicht bestätigt wurde.
Auszeichnungen:Verwundetenabzeichen in Schwarz (22. Juli 1943)
Verwundetenabzeichen in Silber
Eisernes Kreuz II. Klasse
Eisernes Kreuz I. Klasse
Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz (20. April 1945)
Infanterie-Sturmabzeichen
Scharfschützenabzeichen in Bronze
Scharfschützenabzeichen in Silber
Scharfschützenabzeichen in Gold
Quellen