Schwerer Kreuzer Blücher
Einleitung
Die Blücher war ein schwerer Kreuzer der Admiral Hipper-Klasse. Sie wurde bei Deutsche Werke Kiel AG von 1936 bis 1939 gebaut und ging während des Norwegenfeldzugs 1940 im Oslofjord verloren.
Entstehung
Nach dem Entstehen der schweren Kreuzer durch den Washingtoner Flottenvertrag wollte Deutschland, wie die meisten anderen Marinen, ebenfalls schwere Kreuzer besitzen. Durch den Versailler "Vertrag" durfte Deutschland aber nur Kreuzer mit einer Typenverdrängung von 6.000 Tonnen haben. Am 18.06.1935 unterzeichneten das Vereinigte Königreich und Deutschland einen Flottenvertrag, der es Deutschland erlaubte schwere Kreuzer nach dem Washingtoner Flottenvertrag zu bauen. Die einzige Beschränkung lag darin, dass Deutschland maximal 35% der Flottenstärke der schweren Kreuzer vom Vereinigten Königreich besitzen durfte. Das Vereinigte Königreich besaß zu diesem Zeitpunkt 19 schwere Kreuzer. Dies erlaubte es Deutschland schwere Kreuzer bis zu einer Gesamttypverdrängung von 51.300 Tonnen zu besitzen, welches etwa fünf schweren Kreuzern entspräche. Da die drei Panzerschiffe Deutschland, Admiral Scheer und Admiral Graf Spee als Schlachtschiffe gezählt wurden, durften die fünf schweren Kreuzer gebaut werden.
Die neuen Kreuzer sollten den stärksten ausländischen schweren Kreuzern ebenbürtig sein. Als Beispiel wurde der französische Kreuzer Algerie angeführt. Weiterhin sollten die Kreuzer schneller als die franzöischen Schlachtschiffe der Dunkerque-Klasse sein. Zusätzlich wurde gefordert, dass die Kreuzer einen großen Fahrbereich (12.000 sm bei 15 kn), große Munitionskammern und Pulvermagazine besaßen. Hierbei wurde eine Verdrängung von 9.000 bis 10.000 Tonnen angepeilt. Als Hauptbewaffnung sollten entweder 12x 15 cm oder 8x 20,3 cm Geschütze verwendet werden. Weiterhin sollte die FlaK ausreichend sein und die Kreuzer sollten zwei Vierllingstorpedowerfer besitzen. Zusätzlich sollten zwei Flugzeugkatapulte installiert werden. Insgesamt sollten vier Flugzeuge transportiert werden.
Die Hauptbewaffnung war ein großes Problem. Beide Varianten hatten Vor- und Nachteile. Die Variante mit den 15 cm Schützen wog 550 Tonnen weniger. Allerdings konnte eine 15 cm Granate 100 mm Stahl nur bis einer Entfernung von 10 km durchschlagen, während eine 20,3 cm Granate dies bis auf einer Entfernung von 23 km schaffte. Mit 15 cm Geschützen konnten jeweils acht Granaten pro Minute verschossen werden, während es bei den 20,3 cm Geschützen nur sechs waren. Als FlaK sollte auf die bewährte Doppellafette zurückgegriffen werden.
Beim Antrieb waren sich die Zuständigen ebenfalls nicht einig. Das I-Amt (Abteilung Maschinenbetrieb) wollte entweder eine Dampfanlage mit einem zusätzlichen Dieselantrieb oder ausschließlich eine Dampfanlage. Das Konstruktionsamt wollte allerdings ausschließlich auf die Dampfanlagen setzen, weil dieses mit den Dieselmotoren nicht zufrieden sei. Dieselmotoren nahmen mehr Raum ein und waren zudem auch schwerer. Dampfanlagen besaßen einige Vorteile gegenüber den Dieselantrieben:
- Einfache Brennstoffergänzung (im Verlauf des Kriegs zeigte sich genau das Gegenteil)
- Kürzere Wellenleitung
- Leiser
- Dampf kann auch zur Brandbekämpfung genutzt werden
- Größere Brennstoffvorräte
- Bessere Leckbekämpfung, da die Turbinen in überfluteten Abteilungen weiterlaufen können
- Einfachere Ausbildung und weniger Personalbedarf, wobei der Betrieb von Hochdruck-Dampfturbinen eine qualifizierte Ausbildung erfordert
- Geringerer Aktionsradius
- Gefahr durch hohen Druck und hoher Temperatur
- Gefahr des Versalzens der Kessel
- Schlechte wasserdichte Unterteilung der Kesselräume
Schlussendlich entschied man sich für die ausschließliche Verwendung von Hochdruck-Dampfturbinen. Damit sollte das Schiff eine Konstuktionsverdrängung von 10.160 ts besitzen und eine Geschwindigkeit von 32 bis 33 kn erreichen. Beim ersten Endentwurf stieg die Verdrängung bereits auf 10.700 ts. Hierbei sollten Kreuzer ein Leistungsgewicht von 18 kg/PS haben, welches die Kreuzer auf 32 kn beschleunigten konnten. Die Panzerung wog 2.140 Tonnen und die Antriebsanlage 1.980 Tonnen. Wegen der engen Raumverhältnisse konnte kein Torpedolängsschott verbaut werden. Diese Funktion sollte das 85 mm-Wallgangsschott übernehmen, welches senkrecht verlief.
Die Panzerstärke bei den Barbetten betrug 85 mm und das Panzerdeck war zwischen 30 und 50 mm dick. Hierbei wurden die Rudermaschinenanlagen von dem dickeren Panzerdeck geschützt. Generaladmiral Raeder wünschte sich Böschungen auf dem Panzerdeck und die Seitenpanzerung der Geschütztürme sollte zwischen 120 und 140 mm dick sein. Weiterhin sollte die Seitenpanzerung der Magazine 100 mm dick sein. Die Seitenpanzerung der übrigen Teile durfte dafür reduziert werden. Die Deckspanzerung über den Magazinen sollte 50 mm dick sein.
Der Entwurf hatte dann vier SA-Doppeltürme, einen Hochdruck-Heißdampf-Antrieb, ausreichend FlaK, genügend Torpedorohre und drei Wellen. Der geringere Fahrbereich wurde hingenommen. Es wurden zu Beginn drei Einheiten in Auftrag gegeben. Diese waren Admiral Hipper, Blücher und Prinz Eugen. Es wurden allerdings bereits die Kreuzer K und L geplant. Zu Beginn noch als leichte Kreuzer und später als schwere Kreuzer. Diese wurden aber nie fertiggestellt.
Die drei Kreuzer der ersten Gruppe wurden 1935/1936 in Auftrag gegeben. Offiziell hatten diese eine Typverdrängung von 10.000 ts, welche allerdings tatsächlich bei 14.050 ts und mehr war. Das Typschiff der Kreuzerklasse sollte ursprünglich die Blücher sein. Wegen Bauverzögerungen wurde die Admiral Hipper zuerst fertig und somit wurde die Klasse nach der Admiral Hipper benannt.
Namensgebung
Der Namensgeber des Kreuzers war Gebhard Leberecht Fürst Blücher von Wahlstatt. Er war ein preußischer Feldmarschall und ist am 16.12.1742 in Rostock geboren. Im Siebenjährigen Krieg trat er in schwedische Dienste und wechselte nach einer Gefangennahme die Seite. 1773 kam es zum Bruch zwischen ihm und Friedrich dem Großen. Er fühlte sich bei einer Beförderung übergangen und verließ das preußische Heer. Erst als Friedrich der Große starb, konnte Blücher wieder Soldat im preußischen Heer werden. 1787 trat er seinen Dienst wieder an und wurde bis 1801 mehrmals befördert, sodass er 1801 Generalleutnant war.
Gegen Napoleon erlitt Preußen 1806 eine vernichtene Niederlage bei Auerstadt und Jena, sodass Blücher sich bei Lübeck ergeben musste, nachdem er keine Munition mehr besaß. 1807 kam es zum Frieden zwischen Preußen und Frankreich und es kam zu einem Gefangenenaustausch. Blücher übernahm das Kommando über Pommern und musste 1811 auf Druck von Frankreich seinen Posten räumen. 1813 erhielt er den Oberbefehl über das Feldheer in Schlesien. Zu Beginn erlitt er bei Großgörschen und Bautzen Niederlagen. Er konnte aber den Katzbach und die Elbe bei Wartenburg im strömenden Regen überqueren. Im Jahreswechsel 1813/1814 konnte Blücher in der Nacht mit seinen Truppen bei Kaub den Rhein überqueren. Allerdings erlitt er am 16.06.1815 bei Ligney eine Niederlage. Zwei Tage später konnte er aber zusammen mit der englischen Armee bei Waterloo die französische Armee zerschlagen.
Am 31.10.1815 gab Blücher als preußischer Generalfeldmarschall seinen Abschied, nachdem er unzufrieden mit den Friedensverhandlungen und krank war. Er starb am 12.09.1819.
Technische Daten
| Bauauftrag für | G Ersatz Berlin |
| Bauwerft | Deutsche Werke, Kiel |
| Baunummer | 246 |
| Bauauftrag erteillt | 30.10.1934 |
| Kiellegung | 15.08.1936 |
| Stapellauf | 08.06.1937 |
| Indienststellung | 20.09.1939 |
| Kosten | 87.855.000 RM |
| Länge WL vor Umbau | 194,2 m |
| Länge ÜA vor Umbau | 202,8 m |
| Länge WL nach Umbau | 194,6 m |
| Länge ÜA nach Umbau | 205,9 m |
| Breite | 21,3 m |
| Seitenhöhe | 12,45 m |
| Konstruktionstiefgang | 6,37 m |
| Einsatztiefgang | 7,95 m |
| Offizielle Verdrängung | 10.000 ts |
| Konstruktionsverdrängung | 13.900 ts |
| Standardverdrängung | 14.475 ts |
| Einsatzverdrängung | 18.500 ts |
| Maximale Einsatzverdrängung | 18.694 ts |
Maschinenanlage
Die Besonderheit der Schiffe der Admiral Hipper-Klasse war, dass jedes Schiff eine andere Antriebsanlage besaß. Die Blücher hatte Getriebeturbinen nach Blohm&Voß Bauart. Die Turbinen bestanden aus 12 Wagner-Kessel, aufgeteilt auf drei Kesselräume. Wagner-Kessel waren Wasserrohrkessel mit natürlichem Umlauf. Sie hatten eine Luft- und Speisewasservorwärmung sowie einen Überhitzerteil. Die Hochdruck-Heißdampfkessel waren Einender mit je zwei Saakke-Brennern. Die Antriebsanlage arbeitete mit 70atü und in ihr herrschen Temperaturen bis zu 450°C.
Im Gegensatz zur Antriebsanlage waren die Heizölvorräte auf allen Schiffen konstruktionsbedingt in etwa gleich. Die Blücher konnte 4.320 t Heizöl mit sich führen. Jeder Turbinensatz hatte 44.000 Wellen-PS, was der Blücher insgesamt 132.000 Wellen-PS brachte. Diese Leistung konnte die Blücher auf 32,5 kn beschleunigen und brachte ihr einen theoretischen Fahrbereich von 6.800 sm bei 19 kn.
Die Antriebsanlagen konnten wegen ihrer Komplexität nicht mehr von Hand gesteuert werden. Die Kessel wurden mit einer Askania-Regelung gesteuert, welche den Bedarf an Betriebsmitteln automatisch steuert. Bei einem Ausfall eines Anlagenteils von einem Kessel war dieser Kessel innerhalb von wenigen Minuten ausgedampft.
Bewaffnung
Hauptbewaffnung
Die Blücher besaß als Hauptartillerie acht 20,3 cm Geschütze aufgeteilt auf vier Türme. Die genaue Bezeichnung war 20,3 cm SK L/60 Modell C34 in Drehscheibenlafette LC34. Ein Geschützrohr hatte eine Kadenz von 600 Schuss und konnte Geschosse bis zu 33.540 m weit verschießen. Ein Turm wog 248 t und konnte die Geschützrohre zwischen -10° und 37° senken bzw. anheben. Die Geschütze konnten alle 24 Sekunden schießen, wobei von der Marine alle 14 Sekunden gewünscht waren. Die Panzerung der Türme waren an der Front 160 mm dick. An den Seiten und an der Decke war diese nur 70 mm dick. Die Dicke der Turmrücken war bei Turm B und C 60 mm und bei Turm A und D 90 mm.
Flugabwehr
Die schwere FlaK der Blücher bestand aus 12 10,5 cm Geschützen aufgeteilt auf sechs Türme. Die genaue Bezeichnung der Türme war 10,5 cm FlaK L/65 Modell C33 in Doppellafette 8,8 cm Model LC31. Sie hatten eine Kadenz von 2.950 Schuß pro Rohr und konnten Geschosse bis zu 17.700 m weit schießen. Ein Turm wog ca. 27 t und konnte die Rohre zwischen -8° und 80° bewegen. Die Panzerung eines Turms war zwischen 8 und 15 mm dick.
Neben den 10,5 cm Geschützen besaß die Blücher noch 12 3,7 cm Geschütze in sechs Doppellafetten und acht 2 cm Einzelgeschütze als FlaK. Die genauen Bezeichnungen waren 3,7 cm FlaK L/83 Modell C30 in Doppellafette C30 und 2 cm FlaK L/65 Modell C30 in Lafette C30.
Sonstige Bewaffnung
Als Torpedobewaffnung besaß die Blücher 12 53,3 cm Torpedorohre in vier Werfern. Mitgeführt wurden 24 G7a Torpedos, wobei 12 sich bereits in den Werfern befanden. Die G7a Torpedos hatten bei 44 kn eine Reichweite von 5.800 m. Für einen Weitschuss konnte die Geschwindigkeit auf 30 kn reduziert werden, was den Torpedos eine Reichweite von 12.000 m brachte. Weiterhin konnte die Blücher Minen legen über Gleise, welche vor dem Einsatz montiert wurden, wobei diese stets an Bord waren.
Als Bordflugzeuge standen drei Arado Ar196 zur Verfügung. Die Flugzeuge konnten über ein Katapult hinter dem Schornstein starten. Für das Landen mussten die Flugzeuge neben dem Kreuzer auf dem Wasser landen. Im Anschluss wurde das Flugzeug mit einem Kran wieder an Bord gehoben. Die Kreuzer besaßen jeweils einen Kran auf der Backbord- und Steuerbordseite.
Funkmess- und Ortungsanlagen
Die Blücher besaß nur ein FuMo 27 mit einer 3x4 m großen Antenne im Vormars.
Lebenslauf
Die Blücher war das dritte Schiff unter diesem Namen. Sie wurde als Ersatz für den kleinen Kreuzer Berlin gebaut. Der Bauauftrag wurde als Kreuzer G bei Deutsche Werke Kiel AG am 30.10.1934 gegeben.
Am 27.08.1935 war die Kiellegung auf der Helling 2. Der Stapellauf folgte anschließend am 08.06.1937. Die Taufrede hielt damals Admiral Albrecht und die Taufe vollzog Frau Erdmann, die Wittwe des Kommandanten des Großen Kreuzers Blücher. Die Probefahrt fand am 06.09.1939 statt und 12 Tage später fand die Abnahmefahrt statt. Am 20.09.1939 wurde die Blücher in Dienst gestellt. Es folgten Ausbildungsfahrten zwischen dem 13.11.1939 und 30.03.1940.
Einsatz
Die Ausbildung der Besatzung wurde unterbrochen, da Unternehmen Weserübung stattfinden sollte und es der Marine an kampfstarken Einheiten mangelte. Bis zu diesem Zeitpunkt fand noch kein Schießen statt und es befanden sich nur zwei Flugzeuge an Bord. Weiterhin waren wegen des strengen Winters die Ausbildungsfahrten eingeschränkt.
An den ersten Apriltagen 1940 wurde das Schiff noch ausgerüstet. Rettungsinseln und Schwimmwesten wurden an Bord genommen. Weiterhin wurde das Schiff zum Übungsschießen klar gemacht. Die Übungsmunition wurde über der Gefechtsmunition gelagert. Eines der Flugzeuge musste auf dem Katapult gelagert werden, weil der Platz im Hanger für Bomben und Torpedos genutzt wurde. Am 05. April verließ die Blücher Kiel und passierte gegen 18 Uhr Laboe. In der Strander Bucht wurde Konteradmiral Kummetz (Inspekteur des Torpedowesens) eingeschifft. Konteradmiral Kummetz war der Führer des folgenden Unternehmens. Zusammen mit dem schweren Kreuzer Lützow, leichten Kreuzer Emden, den T-Booten Möwe, Kondor und Albatros, acht Minenräumbooten (R17 bis R24) und zwei Hilfskriegsschiffen (RAU VII und RAU VIII) bildete die Blücher die Kriegsschiffgruppe 5. In der Nacht wurden mit der Emden Scheinwerferübungen durchgeführt. Am folgenden Mittag liefen die Schiffe in Swinemünde ein. Später liefen die drei T-Boote ein und machten hinter den großen Schiffen fest. Einen Landgang gab es nicht, da die Zeit für Vorbereitung zur Einschiffung der Truppenteile genutzt wurde, welche um 19 Uhr kamen. Auf dem Kreuzer wurden insgesamt 822 Soldaten aufgenommen. Davon waren Teile des Stabs der Heeresgruppe XXI (inkl. Generalmajor Engelbrecht) und das II. Bataillon des Infanterie-Regiments 307 der 163. Infanterie-Division. Die Emden nahm 610 Soldaten, die Lützow 450 und die T-Boote Albatros und Kondor jeweils 100 Soldaten auf. Insgesamt wurden also 2.082 Soldaten aufgenommen. Neben den Soldaten musste auch ihre gesamte Ausrüstung mit an Bord genommen werden. Dazu zählten Waffen, Munition und leichte Geschütze. Alles in allem war es ein zusätzliches Gewicht von 31 t für die Blücher.
Am 07. April verließ die Blücher mit der Emden Swinemünde mit dem Ziel Kiel. Auf dieser Fahrt wurde die Ausbildung betrieben. Es wurde aus jedem 20,3 cm Geschütz ein Schuss abgegeben. Die Blücher setzte die Anker bei der Strander Bucht. Der Kommandant meldete dem OKM: "Kreuzer Blücher für einfache Aufgaben einsatzbereit; kein Schießen mit SA, keine Klarschiffübungen, kein Maschinengefechtsdienst, keine Leckwehrübungen." Mit anderen Worten das Schiff war nur bedingt kriegsdienstverwendungsfähig. Die Vorschriften zum Klarschiffen der einzelnen Abschnitte waren bis auf ein paar Gefechtsbilder nicht vorhanden. Einzig für den Maschinenraum lag ein Entwurf vor. Zusätzlich fehlten noch Unterlagen zum Schiff, die normalerweise mit der Fertigstellung an Bord kommen. Weiterhin fehlten viele weitere Ausrüstungsteile.
Am 08. April wurde der Anker gelichtet und der Verband sammelte sich. Im Anschluss wurde der Kurs in Kiellinie in Richtung Oslo gesetzt. An der Spitze war die Blücher und dahinter folgten die Lützow, Emden, Möwe, Kondor und Albatros. Während der Fahrt wurden weitere Übungen vor allem für die eingeschifften Soldaten durchgeführt. Im Kattegat wurde zweitweise Zickzack gefahren. Hierbei übernahmen die T-Boote die U-Bootsicherung. Gegen 21 Uhr wurde aus Tarnungsgründen die Kriegsflagge eingeholt. Drei Stunden später gegen Mitternacht wurde Klarschiff zum Gefecht befohlen, da sich der Verband der norwegischen Küste näherte.
Oslofjord (Originalquelle Lizenz)
Bereits beim Einlaufen in den Oslofjord wurde der Verband von Scheinwerfern erfasst. Welche kurz darauf aber wieder erloschten. Mit zunehmenden Eindringen in den Fjord wurde die Navigation durch die Dunkelheit immer schwieriger. Gegen 01:00 Uhr übernahmen zwei R-Boote einen Teil der Soldaten. Im Anschluss wurde die Fahrt bis zur Dröbak-Enge mit 7 kn in völliger Finsternis fortgesetzt. Dort wurde die Fahrt auf 12 kn erhöht. Gegen 04:00 Uhr wurde die Blücher erneut von einem Scheinwerfer eines Wachboots erfasst. Kurz darauf strahlte der Scheinwerfer eines zweiten Wachboots ebenfalls auf den Kreuzer. Kaum hatte die Blücher den Dröbak-Enge erreicht, entstand eine Lichtsperre von beiden Seiten. Der Kreuzer strahlte mit seinen Scheinwerfern dagegen.
Da Schießen vom Verbandsführer untersagt war, blieben die Waffen zwar feuerbereit, aber ansonsten geschah nichts. Es wurde geglaubt, dass Oslo friedlich übergeben würde. Gegen 05:19 Uhr erlitt die Blücher einen Treffer auf der Backbordseite aus einer Entfernung von unter 600 m von einer 28 cm Küstenbatterie auf Oscarsborg. Fast das gesamte Personal auf dem Fla-Leitstand fällt aus. Es wird auf äußerste Fahrt gegangen und Feuererlaubnis gegeben, aber da keine Ziele ausgemacht wurden, wurde nicht geschossen. Allerdings feuerte die leichte und schwere FlaK auf Mündungsfeuer. Ein zweiter Treffer trifft die Flugzeughalle, die im Anschluss lichterloh brennt. Zusätzlich fällt auf der Backbordseite der dritte 10,5 cm Geschützturm aus. Gleichzeitg schießt von steuerbord aus einer Entfernung von unter 400 m die 15 cm Küstenbatterie von Dröbak. Später wird herausgefunden, dass von 25 Schüssen 20 die Blücher trafen. Da sich die Batterie auf einem Berg befindet, treffen die Granaten verheerend. Flakleitstand B und das erste 10,5 cm Geschütz auf der Backbordseite fallen aus. Weiterhin verursacht eines der ersten drei Treffer ein Versagen im Ruder- und Maschinentelegraphen. Kommandos werden über Sprachrohre durchgesagt. Der Kommandant lässt die Steuerbordmaschinen stoppen und auf AK gehen, um das Schiff frei von Kaholmen zu halten. In diesem Augenblick treffen zwei Torpedos von einer Torpedo-Landbatterie auf Kaholmen die Blücher. Es wurde zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass die Blücher in ein Minenfeld gefahren ist.
Nach 3 bis 4 Minuten ruhten die norwegischen Geschütze, weil sich die Blücher außerhalb des Schußbereichs befindet. Durch den AK-Befehl konnte die Geschwindigkeit nur auf 15 kn erhöht werden. Der Kommandant lässt das Feuer einstellen. Durch den Ausfall des Haupt-Fla-Leitstandes dauert das Feuereinstellen der FlaK einige Zeit. Zu diesem Zeitpunkt glaubte der Kommandant das Schiff halten zu können. Das Schiff hatte eine Schlagseite von 8-12°. Der Kreuzer fährt mit verringerter Geschwindigkeit die Fahrtrinne weiter. Kurz darauf fallen die Mittelmaschine und beide Seitenmaschinen aus. Das Schiff ist zu diesem Zeitpunkt manövrierunfähig. Der Leitende Ingenieur (LI) glaubte aber, innerhalb einer Stunde die Seitenmaschinen wieder klar zu kriegen. Um nicht gegen die Küste zu treiben, lässt der Kommandant ankern. Kurz darauf fallen sämtliche Verbindungen zum Maschinenraum aus.
Die brennende Blücher (Originalquelle)
Zu diesem Zeitpunkt waren die genauen Schäden auf dem Schiff nicht bekannt. Es wüten mehrere Großfeuer. Unterhalb des ersten 10,5 cm Geschützes ist die Bordwand weit aufgerissen und es schlagen starker Rauch und Flammen aus der Öfffnung. Weiterhin klafft ein großes Loch, wo sich der Torpedoarbeitsraum befindet. In der Nähe des Flugzeughangars lodert ein Großbrand über mehrere Decks. Teilweise wird von Feuer bedrohte Munition von Bord geworfen. Besonders verheerend ist, dass nach Vorschrift die Feuerlöschleitungen über das Panzerdeck nicht eingeschaltet sind. Nach einschalten, stellte sich heraus, dass die Leitungen getroffen wurden. Selbst als neue Leitungen verlegt wurden, kommt nur kurzzeitig Wasser. Es wurde versucht mit Minimax-Feuerlöschern das Feuer zu löschen, aber diese zeigten gegen das Feuer keine Wirkung. Trotz allem Einsatz der Besatzung erfasste das Feuer die vier 50 kg Bomben im Hangar und die Munition der Heeressoldaten. Die Explosionen verursachten weitere Schäden. Selbst als das Schiff eine Schlagseite von 18° hat, glaubte die Schiffsführung noch das Schiff zu halten. Erst um 06:30 Uhr änderte sich das, als die 10,5 cm Munitionskammer VII.8.2 in die Luft flog. Die Schlagseite nimmt immer weiter zu.
Erste Maßnahmen zum Ausschiffen der Heeressoldaten werden getroffen. Der Steuerbordkutter wird zu Wasser gelassen und die Schwerverwundeten und zwei Sanitätsoffiziere gehen an Bord. Der Backbordkutter konnte nicht zu Wasser gelassen werden, weil dieser zerschossen wurde. Die beiden Dingis werden zu Wasser gelassen, aber weiteres aussetzen von Booten ist nicht möglich, weil die Kräne ausgefallen sind. Zusätzlich werden Rettungsinseln zu Wasser gebracht. Der Kommandant gibt den Befehl "Alle Mann an Oberdeck" und "Klar bei Schwimmwesten". Die Schwimmwesten sind allerdings zum größten Teil verbrannt, da sich diese die gesamte Zeit an Deck befanden.
Die Distanz zwischen dem Heck und den Inseln Askenholmen betrug circa 300 m und zwischen den Bug und dem Festland waren ungefähr 500 m. Das lichten der Anker misslang, sodass das Schiff nicht näher zur Küste treiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt teilte das Großfeuer das Schiff in zwei Teile. Es wurde versucht sämtliche schwimmende Gegenstände als Rettungsmittel zu nutzen. Als das Schiff 45° Schlagseite hatte wurde achtern der Befehl zum Aussteigen gegeben. Gegen 07:00 Uhr gibt der Kommandant ebenfalls den Befehl zum Aussteigen. Gegen 07:32 Uhr kentert die Blücher.
Auf der Blücher taten zum Zeitpunkt des Gefechts 1.110 Mann, 38 Offiziere, der Kommandant und der Kampfgruppenführer Dienst. Hinzu kamen die 650 Heeressoldaten. Von der eigentlichen Besatzung starben circa 125 Mann und vom Heer starben zwischen 122 und 195 Soldaten. Im Internet gibt es Quellen auf denen von bis zu 1.000 Toten gesprochen wird.
Nach ihrer Versenkung
Blücher-Anker (Originalquelle)
Die Blücher liegt noch heute im Oslo-Fjord in 70 bis 90 m Tiefe kieloben mit dem Heck auf einem Felsen. 1949 erwarb Einar Hovding von der norwegischen Regierung das Wrack. Anschließend wurden 1951 die drei Schrauben aus Bronze und zwei Anker gehoben. Wegen einer drohenden Ölkatastrophe ist ein vollständiges Heben nicht möglich.
1970 starb der norwegische Chefredakteur der Zeitung Aftenposten Erik Lunde bei einem Tauchunfall am Wrack. Anfang der 1990iger begannen etwa 50 l Öl pro Tag auszulaufen. 1994 wurde begonnen einen Teil des Öls abzupumpen. Hierzu wurden 133 Treibstofftanks angebohrt. Anschließend wurde das Öl abgepumpt und die Löcher wurden wieder verschlossen, damit Reste nicht freigesetzt werden. Wegen der Lage der Blücher konnten 47 Treibstofftanks nicht abgepumpt werden. Am 09.11.1994 hob ein norwegisches Team das Arado Ar196 von der Blücher. Hierbei zerfielen aber der Motor und die Tragflächen durch den Luftkontakt. Die Überreste stehen heute im Luftfahrtmuseum Stavanger. Seit 2014 steht das Schiff unter Denkmalschutz.
„Man kann einen Krieg beginnen, aber niemals beenden, wenn man will.“ Niccolò Machiavelli
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