Beitrag So 1. Dez 2019, 22:16

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben



* 4. Dezember 1881 in Breslau
† 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee



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Kaiserreich

Erwin von Witzleben wurde am 4. Dezember 1881 in Breslau/Schlesien geboren. Sein Vater Georg von Witzleben, ein ehemaliger Hauptmann im Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiment Nr. 2, entstammte einer Familie des altpreußischen Schwertadels, die den Königen von Preußen jahrhundertelang tüchtige Offiziere gestellt hatte.
Erwin von Witzleben wurde im preußischen Kadettenkorps erzogen und legte an der Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde sein Abitur ab.
Am 22. Juni 1901 trat er als Leutnant in das Grenadierregiment „König Wilhelm (Nr. 7) in Liegnitz/Schlesien ein. Das war kein gewöhnliches Provinzregiment, was schon alleine die Tatsache beweist, dass von seinen 51 Offizieren die in der Rangliste von 1913 ausgewiesen sind, nur vier bürgerliche Namen trugen und zudem auch der Kaisersohn Oberleutnant Prinz Oskar von Preußen dort geführt wurde.
In der Zeit von 1908 bis 1911 versah von Witzleben, am 16. Oktober 1910 zum Oberleutnant avanciert, als Adjutant beim Bezirkskommando Hirschberg seinen Dienst.
Im August 1914 zog er als Adjutant der 19. Reserve-Infanteriebrigade in den Ersten Weltkrieg.


Erster Weltkrieg

Im Oktober 1914 wurde von Witzleben zum Hauptmann befördert und war zunächst zwei Jahre lang als Kompaniechef beim Reserve-Infanterieregiment Nr. 6 eingesetzt.
Er nahm an der ersten Erstürmung des Fort Vaux bei Verdun teil, kämpfte in der Champagne und in Flandern. Er erwarb sich dabei beide Eiserne Kreuze und führte schließlich im gleichen Regiment das II. Bataillon.
Während seiner Zeit als Bataillonsführer wurde von Witzleben mit dem Hausorden von Hohenzollern ausgezeichnet und schließlich schwer verwundet.
Nach seiner Genesung wurde er zunächst als Ordonnanzoffizier in der 9. Reservedivision verwendet und kam 1918 noch zur Generalstabsausbildung. Danach wurde von Witzleben zum Generalstab des Feldheeres versetzt und erlebte das Kriegsende im November 1918 als 1. Generalstabsoffizier (Ia) bei der 121. Division.


Weimarer Republik

Ende 1918 nahm er an den Grenzschutzkämpfen in Ober- und Mittelschlesien teil und 1919 an den Kämpfen gegen die Aufständischen im Ruhrgebiet.
1921 wurde von Witzleben als Hauptmann und Kompaniechef in die neue Reichswehr übernommen.
Am 1. April 1923 wurde er als Major in den Stab der 4. Division nach Dresden versetzt.
1926 kam er in den Stab des Infanterieführers III nach Potsdam.
1928 folgte wieder ein Truppenkommando, als von Witzleben Bataillonskommandeur im Infanterieregiment Nr. 6 in Lübeck wurde.
1929 wurde er zum Oberstleutnant befördert und 1930 als Chef des Stabes der 6. Division in Münster eingesetzt.
Am 1. April 1931 wurde von Witzleben zum Oberst befördert und übernahm dann als Kommandeur das Infanterieregiment 8 in Frankfurt/Oder.


Nationalsozialismus

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 wurde von Witzleben als Infanterieführer VI nach Hannover versetzt. Mit seiner Beförderung zum Generalmajor am 1. Februar 1934 wurde er, als Nachfolger von Generalleutnant Freiherr von Fritsch, zum Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III (Berlin) ernannt.
Im Sommer 1934 fand der sogenannte Röhm-Putsch statt, der nicht nur mit der Ermordung aufsässiger SA-Führer, sondern auch mit der Liquidierung anderer Systemgegner, darunter der Generale Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow, endete.
Hatte von Witzleben damals die Zerschlagung der SA noch begrüßt und bis dahin dem Nationalsozialismus ablehnend gegenübergestanden, so wurde er jetzt zum aktiven Gegner. Auf Drängen seines Stabschefs Erich von Manstein wurde von Witzleben beim Chef der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Fritsch vorstellig und protestierte scharf gegen die Ermordung der prominenten Generale. Sein Verhalten dem Nationalsozialismus und Hitler gegenüber blieb bis zu seinem Tod im August 1944 widersprüchlich. Während er sich auf der einen Seite als Gegner des Nationalsozialismus positionierte, sprach von Witzleben am 2. August 1934 als Kommandeur des Wehrkreiskommandos III auf einer Kundgebung im Berliner Lustgarten zum 20. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges:

„In dieser Feierstunde geloben wir heute unserem Führer, dem Führer des deutschen Volkes und Reiches, Adolf Hitler, dem obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unverbrüchliche Treue wie wir Soldaten in seiner Person und seinem Werk auf Gedeih und Verderb verbunden sind."

Zwei Tage später, am 4. August, nahm er die Vereidigung der Soldaten seines Wehrkreiskommandos vor, indem von Witzleben persönlich vortrug und sich abschnittsweise von seinen Soldaten wiederholen ließ:

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leiste und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen."

Im Dezember 1934 folgte die Beförderung zum Generalleutnant. Nach der Einführung der deutschen Wehrhoheit im September 1935 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1935 Kommandierender General des III. Armeekorps.
Am 1. Oktober 1936 avancierte er zum General der Infanterie.

Während er seine Untergebenen auf Treue zu Hitler verpflichtete und diese auch selbst öffentlich gelobte, knüpfte von Witzleben schon im Jahre 1937 Kontakte zu Carl Friedrich Goerdeler, Generaloberst Ludwig Beck, General Erich Hoepner, General Carl-Heinrich von Stülpnagel und Admiral Wilhelm Canaris. Der Hass dieser Männer auf die Führung des Dritten Reiches ging so weit, dass sie in Großbritannien um einen Krieg gegen das Deutsche Reich warben, in der Hoffnung, dass sich dadurch die NS-Regierung stürzen lasse. Damit war schon bevor auch nur ein einziger deutscher Soldat auf Befehl Hitlers fremden Boden betreten hatte, die Grenze vom Hoch- zum Landesverrat überschritten. Insbesondere vor dem Hintergrund des Sudetenlandanschlusses von 1938 mutet von Witzlebens Haltung befremdlich an:
Die Einkerkerung der Sudetendeutschen in dem tschechisch dominierten Vielvölkerstaat Tschechoslowakei, ihre Entrechtung und Unterdrückung sind eine Tatsache, die sogar die alliierten Initiatoren dieser Staatsgründung von 1919, England und Frankreich, zum Einlenken veranlasste.
Aber von Witzleben und seine Mitverschwörer hofften inständig auf eine antideutsche Haltung Englands und konspirierten hierfür in London.
Das Münchner Abkommen beendete jedoch von Witzlebens Hoffnungen, die Pläne der Septemberverschwörung umsetzen zu können.

Am 10. November 1938 wurde von Witzleben als Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 2 nach Frankfurt/Main versetzt, dem die Sicherung der Westgrenze unterstand und aus dem später bei Kriegsausbruch das Armeeoberkommando 1 gebildet wurde.


Zweiter Weltkrieg

Am 3. September 1939 wurde Erwin von Witzleben der Oberbefehl über die zwischen Mosel und Rhein eingesetzte 1. Armee übertragen, während der einstige Chef der Heeresleitung, Generaloberst a.D. Kurt Freiherr von Hammerstein-Equordt, vorübergehend mit der Führung der benachbarten Armeegruppe A betraut war. Beide Verbände hatten zunächst während des Polenfeldzuges den im Osten kämpfenden Truppen den Rücken freizuhalten und die Westgrenze zu sichern.
Am 1. November 1939 wurde von Witzleben zum Generaloberst befördert.
Nachdem schon am 10. Mai 1940 die deutschen Truppen im Westen zum Angriff angetreten waren, durchstieß seine 1. Armee erst am 14. Juni 1940 im Raum St. Avold-Saarbrücken die als unüberwindbar geltende Maginotlinie und trug dazu bei, die gegnerischen Divisionen zwischen Nancy und Belfort einzukesseln. Die Französischen Einheiten in diesem Raum mussten schließlich am 17. Juni 1940 ihre Kapitulation anbieten.
Dafür wurde Generaloberst Erwin von Witzleben am 26. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert.
Am 26. Oktober 1940 übernahm er den Oberbefehl über die neu aufgestellte Heeresgruppe D und ab dem 15. März 1941 auch noch die Geschäfte des Oberbefehlshabers West.

Bereits am 30. April 1942 wurde von Witzleben aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedet. Seine militärische Karriere war von diesem Tag an beendet.
Er zog sich danach auf seinen Besitz zurück und hielt weiterhin mit den Widerstandskreisen innerhalb des Heeres engen Kontakt.
Zugedacht war ihm im Sommer 1944 eine wichtige Schlüsselstellung bei dem geplanten Militärputsch. Von Witzleben sollte direkt nach einem erfolgreichen Putsch bzw. der Ermordung Hitlers, den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen und die Grundbefehle über den Ausnahmezustand unterschreiben.
Erst am 19. Juli 1944 wurde er von dem unmittelbar bevorstehenden Staatsstreich unterrichtet.
Am 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg einen Bombenanschlag in der Lagebaracke des Führerhauptquartiers „Wolfschanze".
Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, der sich wie geplant am 20. Juli 1944 kurz vor 20 Uhr zur Übernahme seines neuen Amtes im Gebäude des Oberkommandos der Wehrmacht in der Berliner Bendlerstraße eingefunden hatte, wusste bereits nach einem Gespräch im Hauptquartier des Generalstabes in Zossen vom Scheitern des Bombenattentats.
Rasch erkannte von Witzleben das völlige Fiasko und verließ nach 45 Minuten erzürnt den Bendlerblock im Wissen, dass sein Schicksal nun besiegelt war.
Oberst Graf von Stauffenberg wurde zusammen mit anderen Offizieren in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks von eigenen Mitverschwörer-Kameraden, die nach dem Scheitern des Anschlags wieder die Seiten gewechselt hatten, standrechtlich erschossen.
Erwin von Witzleben wurde neben anderen Offizieren vor den „Ehrengerichtshof der deutschen Wehrmacht" gestellt und „mit Schande" aus der Wehrmacht ausgestoßen.
Von Witzlebens Schicksal teilten 54 weitere Offiziere, darunter zehn Generale und 32 Stabsoffiziere.
Dem Rauswurf aus der Wehrmacht folgte der Schauprozess vor dem sogenannten „Volksgerichtshof" unter Vorsitz des nationalsozialistischen Fanatikers Roland Freisler, wo von Witzleben am 7. August 1944 zur ersten Anklagegruppe gehörte.
Das widersprüchliche Verhalten welches von Witzleben an den Tag legte, setzte sich im Prozess fort.
Die Verhandlung begann gleich mit einem Eklat, als von Witzleben den Hitlergruß entbot, was Freisler sich verbat, da von Witzleben „ehrlos" sei und dieser Gruß nur „ehrenhaften Volksgenossen" zustünde. Die von Freisler gewählte Form der Verhandlungsführung wurde von den meisten Beobachtern als abstoßend empfunden, obwohl sich Angeklagte wie von Witzleben schuldig befanden.
So herrschte er von Witzleben an: „Sie schmutziger alter Mann, was haben Sie immer an Ihrer Hose herumzufummeln?" weil dieser seine Hose festhalten musste, nachdem man ihm in der Haft Träger und Gürtel abgenommen hatte.
Am 8. August 1944 fällte Freisler das schon im Vorfeld festgelegte Urteil: Tod durch Erhängen.
Das Urteil wurde noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee vollstreckt.



Auszeichnungen

Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern
Bayerischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern
Hanseatenkreuz Hamburg
Preußisches Ehrenkreuz III. Klasse mit Schwertern und Krone
Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 24. Juni 1940


Quellen

Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Peter Stockert, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8
https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_von_Witzleben
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/W/WitzlebenErwinv-R.htm



Autor: von Mackensen