Beitrag Sa 8. Feb 2020, 13:44

Leutnant Walter Blume

Leutnant Walter Blume




* 10. Januar 1896 in Hirschberg im Riesengebirge/Schlesien
† 27. Mai 1964 in Duisburg



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Persönliche Daten


Walter Blume wurde am 10. Januar 1896 im schlesischen Hirschberg geboren und er besuchte dort auch die Oberrealschule. Er interessierte sich frühzeitig für die Luftfahrt und baute zusammen mit Freunden erste Flugmodelle. Im Frühjahr 1914 trat er nach Abschluss des Abiturs als Ingenieurpraktikant einer Maschinenfabrik bei.


Kriegseinsatz


Nach Ausrufung der Mobilmachung meldet er sich als Freiwilliger zum heimischen 1. Schlesischen Jäger-Bataillon Nr. 5. Der erste Einsatz führte ihn an die Ostfront, wo er bei einem Angriff als Gefechtsordonnanz durch einen Oberschenkelschuss verletzt wurde. Nach einem vierwöchigen Lazarettaufenthalt kam er zum Ausbildungspersonal des Ersatzbataillons und wurde zum Oberjäger befördert.
Kurze Zeit danach meldete sich Blume zur Flugzeugführerausbildung und wurde zur Flieger-Ersatz-Abteilung Großenhain sowie zur Aviatik-Fliegerschule Leipzig-Mockau kommandiert. Nach bestandener Feldpilotenprüfung am 30. März 1916 wurde er zunächst zum Versuchs- und Übungspark West bei St. Quentin, danach am 24. Mai 1916 zum Armeeflugpark A nach Straßburg und von dort am 17. Juni 1916 zur Feldflieger-Abteilung Nr. 65 nach Schlettstadt kommandiert. Dieses Einheit war für Aufklärungsflüge eingesetzt und war mit Aviatik-Doppelsitzern ausgerüstet.
Fünf Tage danach startete er zu seinem ersten Kampfeinsatz über den Vogesen, wo er am nächsten Tag die ersten Erfahrungen mit dem Gegner sammeln konnte, als ihn französische Flugabwehrkanonen beschossen.
Am 31. Januar 1917 erlangte er seine Beförderung zum Leutnant und zeitgleich wurde seinem Wunsch nach Versetzung zur Jagdstaffel 26 nach Mühlhausen entsprochen. In dieser Staffel traten unter anderem Bruno Lörzer und Hermann Göring ihren Dienst.

Die Staffel wurde Anfang April 1917 in die Nähe von St. Quentin verlegt, wo sie bis Anfang Juni auf den Flughäfen Guise und Bohain Dienstbetrieb hatte. Am 10. Mai 1917 schoss Walter Blume einen Bristol-Fighter ab und am 28. Mai 1917 beschoss er im Kurvenkampf den Piloten eines weiteren englischen Jägers, der hinter den deutschen Linien landen musste. Danach schoss Walter Blume vier weitere Gegner ab und erhielt nach sechs Abschüssen am 14. August 1917 das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Am 29. November 1917 wurde Walter Blume zum zweiten Mal verwundet, als er in Abwesenheit des Staffelführers an der Spitze eines starken Schwarmes über dem Houthulster Wald in 4.000 m Höhe eine stärkere Formation höher fliegender Bristol-Fighter angriff und im Verlauf des Angriffs von einem zuvor nicht bemerkten Gegner durch einen Schuss in die linke Brustseite getroffen wurde.
Der verletzte Pilot entzog sich der weiteren Verfolgung, indem er sich abtrudeln ließ und nach 40 km Alleinflug die Landung schaffte. Als seine Genesung fortgeschritten war und er nach einem Erholungsurlaub in Mittenwald bei der Durchreise durch Berlin bei der Inspektion der Fliegertruppen zugegen war, meldete er sich im Februar 1918 wieder als frontverwendungsfähig und bat um baldige Versetzung an die Front. Daraufhin wurde er zur Flieger-Ersatz-Abteilung 13 nach Bromberg kommandiert. Anschließend wurde er zum Führer der Jagdstaffel 9 ernannt, die in der Champagne in einem ruhigen Abschnitt lag.


Walter Blume (mittig) neben seiner Fokker D.VII mit der Rumpfkennung "B" im Oktober 1918.



In dieser Einheit schoss Walter Blume 22 weitere Gegnerflugzeuge ab, vorrangig auf dem Flugzeugtyp Fokker D.VII. Mit seinem 25. Abschuss war gleichzeitig der 100. Abschuss der Staffel erreicht. Am 7. August 1918 erhielt er das Ritterkreuz des Königlich-Preußischen Hausordens von Hohenzollern und am 2. Oktober 1918 den Orden „Pour le Mérite“. Einen Monat später, am 8. Oktober 1918 schoss Walter Blume seinen letzten, den 28. Gegner ab. Kurz danach wurde er zum Aussuchen neuer Jagdflugzeuge nach Berlin beordert. Kurze Zeit nach seiner Ankunft in Berlin brach die Revolution aus. Seine Staffel ereilte die Demobilisierung und Walter Blume schied dann am 15. Januar 1919 mit 23 Jahren aus dem Heeresdienst aus.


Blumes Fokker D.VII mit der schwarzen Lackierung, dem "B" am Rumpf und einem "V" an der
Radkappe. Über der Tragflächenoberseite verlief ein breiter weißer Balken zur weiteren
persönlichen Kennzeichnung.



Zwischen den Kriegen


Nach dem Krieg studierte Walter Blume an der Technischen Hochschule in Hannover. Im Sommer des Jahres 1919 wurde Walter Blume Flugleiter beim mobilen Reichswehrfliegerhorst Döberitz. Im März und April 1920 nahm er kurzzeitig den Flugdienst wieder auf, denn er gehörte kurzzeitig der Kurierstaffel der Reichswehrbrigade 10 als zeitfreiwilliger Flugzeugführer an.
Im darauf folgenden Wintersemester wurde die „Akademische Fliegergruppe Hannover“ gegründet. Neben seinem Studium wurde nach Angaben des Lehrers Prof. Dr. Ing. Dorner mit einigen Mitstreitern ein Segelflugzeug konstruiert und im Sommer 1921 von den drei Erbauern unter dem Namen „Vampyr“ vorgeführt. Bei Segelflugwettbewerben errang dieses Modell die ersten Erfolge und im folgenden Sommer wurden damit die ersten motorlosen Stundenflüge durchgeführt.


Segelflugzeug „Vampyr“ als Entwicklungsergebnis von Walter Blume und weiteren Konstrukteuren.



Im Sommer 1922 arbeitete Walter Blume in der „Rumpler-Ozeanfluggesellschaft“ an Transozeanflugzeugprojekten. Sein Hauptexamen legte er im Herbst 1922 ab. Im Jahr 1923 baute Blume zusammen mit anderen Konstrukteuren in Berlin an zwei Kleinflugzeugtypen, die mit Motorradmotoren ausgerüstet wurden. In den Jahren 1925/26 stellte sich Blume dem Heereswaffenamt als beratender Ingenieur für das Flugwesen zur Verfügung. Mit einem Junkers-Sportflugzeug nahm Blume im Sommer 1925 am ersten „Deutschen Rundflug“ nach dem Krieg teil. Von November 1926 bis Ende 1931 arbeitete er als Chefkonstrukteur in den Albatros-Flugzeugwerken in Berlin-Johannisthal. Die Albatros-Werke wurden von Focke-Wulf-Flugzeugbau übernommen und so wechselte Walter Blume am 1. Januar 1932 zu den Arado-Flugzeugwerken-Warnemünde und wurde dort Leiter der Technischen Büros. Hier widmete er sich insbesondere der Konstruktion von Schul- und Sportflugzeugen. Walter Blume trat im Sommer 1933 die Position des leitenden Direktors der Werft Warnemünde und später des Werkes Brandenburg der Arado-Flugwerke an. Ab Dezember 1935 wurde er Leiter der Entwicklungsarbeit der Arado-Flugzeugwerke GmbH, ab Januar 1938 dann auch Betriebsführer des Gesamtwerkes Brandenburg und stellv. Vorstandsmitglied des Gesamtwerkes Arado. Ab dem 1. Januar 1939 wurde er Betriebsführer des Gesamtwerkes.


Schulflugzeug „Arado Ar 96“. An dieser Entwicklung war Walter Blume ebenfalls maßgeblich beteiligt.



Bekannt wurde Walter Blume auch durch die Konstruktionsarbeiten zum Schulflugzeug „Arado Ar 96“. Dieses einmotorige Flugzeug war mit Einziehfahrwerk und geschlossener Kabine ausgerüstet und wurde im Zweiten Weltkrieg als Standard-Schulflugzeug der deutschen Luftwaffe eingesetzt. Während des Zweiten Krieges hatten seine Konstruktionsarbeiten auch wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Transportflugzeuges „Arado Ar 232“ sowie den strahlgetriebenen Bomber/Aufklärer „Arado Ar 234“.


Nachkrieg


Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Walter Blume bei der Aluminiumzentrale in Düsseldorf, der Herausgeberin des einschlägigen Fachorgans der Leichtmetallindustrie, angestellt. Ab Oktober 1952 stellte die Stadt Duisburg ihm im Haus Ruhrort („Tausendfensterhaus“) Räume für das „Büro Blume“ (Leichtbau und Flugtechnik GmbH) zur Verfügung, um Entwicklungen für die nordrheinwestfälische Flugzeugindustrie voranzutreiben. Die Entwicklungsarbeiten trugen Früchte, so wurden Entwürfe für ein viersitziges Reiseflugzeug und eines Transportflugzeugs fertiggestellt und den Verantwortlichen der zukünftigen Luftwaffe vorgestellt. Zwei Versuchsexemplare der „Blume Bl 500“ wurde daraufhin bei Focke-Wulf in Bremen gebaut, sind dann aber nicht in die Serienproduktion überführt worden.
Aufgrund der begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten und auf Druck des Bundeswirtschaftsministeriums fand im September 1955 ein Zusammenschluss des „Büro Blume“ und dem Flugzeughersteller Focke-Wulf in Bremen statt. Unter dem Namen „Blume-Leichtbau und Flugtechnik“ war das Unternehmen von Walter Blume an der Entwicklung des Transportflugzeuges Transall C-160 beteiligt, dass für lange Zeit der Standard Transporter der bundesdeutschen Luftwaffe werden sollte. Walter Blume starb am 27. Mai 1964 in Duisburg.


Luftsiege





Auszeichnungen


o Eisernes Kreuz II. Klasse am 24. Juli 1916
o Eisernes Kreuz I. Klasse am 14. August 1917
o Königlicher Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern, 1918
o Pour le Mérite am 30. September 1918



Quellen



Autor: asuser